Kleines Lexikon der Engel


Flügel

Sie signalisieren Schnelligkeit im Verkehr von Ort zu Ort, Freiheit von Erdenschwere und von Gebundenheit an Raum und Zeit, aber auch die Verbindung zwischen göttlicher Sphäre und Menschenwelt. Da der Abstand zwischen Gott und Mensch im Bild des Raumes gedacht wird, kann die unendliche Ferne Gottes nur durch geflügelte Wesen überbrückt werden. Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung sind die Engel in der Bibel ungeflügelt gedacht, wenn es nicht, wie bei den Seraphim und Cherubim, ausdrücklich anders gesagt wird. Das hätte ja auch jenes Inkognito unmöglich gemacht, das die Gottesboten in vielen der frühen alttestamentlichen Berichte im Verkehr mit den Erdenkindern vorzogen.... Flügel fehlten sogar noch in den Anfängen der christlichen Kunst, welche die Engel nur als bartlose junge Männer in antiker Tracht darstellte. Offenbar wollte man nicht an die heidnische Siegesgöttin Nike/Victoria oder an die ebenfalls geflügelten Darstellungen von Amor und Cupido, die sog. Eroten, erinnern. Erst seit dem 5. Jh. sind nicht nur die Seraphim und Cherubim, sondern alle Engel mit Flügeln ausgestattet, deren Form und Farbe mannigfach variieren, von majestätischen Schwingen und glänzenden Pfauenfedern bis zu den Stummelflügeln der Putten, zu denen die Fledermaus-Flughäute der höllischen Geister einen häßlichen Kontrast bilden. Je nach dem Rang innerhalb der himmlischen Hierarchie schreibt man den Engeln zwei, vier, sechs oder mehr Flügel zu.


Libaniel

In Klopstocks ein Seraph, Schutzengel des Apostels Philippus (III 202).


Lilith

(die Nächtliche). Im babylonischen Volksglauben ein weiblicher Dämon, der auch einmal in der Bibel genannt wird. Bei der Schilderung der Verwüstung des Nachbarlandes Edom, wo unter den Trümmern der Häuser und Paläste zusammen mit den wilden Tieren nur noch Gespenster hausen, sagt der Prophet Jesaja: "Lilit wird auch dort herbergen“ (Jes 34,14). Da in diesem Namen das hebr. Wort lailah für „Nacht“ anklingt, vermutet man, Jesaja habe ein Nachtgespenst gemeint. Nach späteren jüdischen Sagen war Lilit die erste Frau Adams, die in einen Dämon verwandelt wurde, weil sie beim ehelichen Verkehr nicht unter Adam liegen wollte und auch sonst nicht bereit war, sich ihrem Manne unterzuordnen. Lilit sucht nicht nur kleine Kinder zu erwürgen, sondern auch schlafende Männer zu verführen, damit sie aus deren Samenerguß dämonische Söhne fabrizieren kann. Als schönhaarige und mit Schmuck behängte Verführerin tritt sie bei Goethe in der Walpurgisnacht seines auf.