Geflügelte Bibelworte - Redensarten


LOCKVOGEL:

Ein Mensch, der benutzt wird, um andere zu einem Tun zu veranlassen, etwa ein schönes Mädchen, das Gäste in ein Lokal ziehen soll; manchmal auch verwendet für einen Lockspitzel (agent provocateur). In der Antike verwendet man zum Vogelfang oft Körbe, deren Tür nur den Zutritt, nicht aber den Austritt erlaubte. Zahme oder bereits gefangene Vögel, die hineingesetzt wurden, veranlaßten dann ihre Artgenossen, in den Korb zu kommen. Ein Bild, das mehrfach in der Bibel verwendet wird, um vor schlechten Menschen zu warnen; so Jer 5,27 und Sir 11,30.

SEINEN LOHN DAHINHABEN:

Keine Ansprüche mehr haben, da man schon etwas, wenn auch Minderwertigeres, bekommen habe. Über Leute, die mit ihrer Wohltätigkeit prahlten, sagte Jesus, sie hätten durch den Ruhm bei den Menschen schon ihren Lohn gehabt, was Luther ursprünglich übersetzte: „Sie haben ihren Lohn dahin“ (Mt 6,2).

SEELENZAHL:

Altertümlich für die Zahl der Einwohner eines Ortes. Mit „Seele“ wurde in der griechischen und später in der lateinischen Bibel ein hebräisches Wort übersetzt, das wörtlich „Kehle“ bedeutete und auch im Sinn von „Individuum“ gebraucht wurde. So sprach auch Luther von den „Seelen“, die Abraham bei seinem Auszug aus Haran mitnahm (Gen 12,5; heute heißt es dort „Leute“) und die mit Jakob nach Ägypten kamen (Gen 46,8-27).

EINE DURSTIGE SEELE:

Scherzhaft für einen Menschen, der allzu gerne trinkt. In einem Psalm wird Gott darum gebeten, „daß er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem“ (Ps 107,9). Gemeint ist hier allerdings nur, daß Gott Durst und Hunger des Menschen stillt. Zum Ausdruck „Seele“ für Mensch vgl. Seelenzahl.

NUN HAT DIE LIEBE SEELE RUH:

Jemand ist zufriedengestellt; meist scherzhaft oder ironisch. In einem Gleichnis Jesu, das sich gegen das Ansammeln von Schätzen richtet, sagt ein reicher Mann zu sich selbst, nachdem er eine übergroße Ernte eingebracht hatte: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; hab nun Ruhe, iß, trink und hab guten Mut“ (Lk 12,19). Der Ausdruck „arme Seele“ hingegen meint etwas anderes. Er bezieht sich auf die Seelen im Fegefeuer, die nach katholischer Auffassung Hilfe durch Gebet und Opfer von den Lebenden erwarten. So sagt man manchmal: „damit die arme Seele Ruhe hat“ und dgl., wenn man einer drängenden Bitte nachgibt.